40. Treffen des Interdisziplinären Arbeitskreises Alte Medizin

Das Konzept "Zukunft" in der Heilkunde

Festsymposium

zum 40-jährigen Bestehen des interdisziplinären und internationalen Arbeitskreises „Alte Medizin“

NEUER TERMIN: Freitag, 18. bis Samstag, 19. Juni 2021

Ort: Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Veranstalter: Norbert W. Paul, Tanja Pommerening

 

Von frühen heilkundlichen Praktiken bis hin zur modernen, so genannten Biomedizin spielt die Perspektivierung der Zukunft eine wesentliche Rolle. Gerade durch die Praxis der Prognose tritt Zukunft als erkenntnistheoretisch und praktisch unsichere Dimension in die Heilkunde. Divinatorische Texte im Vorderen Orient, Orakeltexte in der griechisch-römischen Antike, Prognosen in der ägyptischen Heilkunde, hippokratische Traktate zur Prognose oder aber die Schriften Galens bieten eine Vielzahl von Hinweisen auf das auf die Zukunft hin ausgerichtete Erklären von Krankheit, Heilung und Tod. Aber auch Abgrenzungsbewegungen – wie etwa die Abgrenzung der ärztlichen Prognose von der Wahrsagerei – finden sich bspw. im Corpus Hippocraticum und bei Galen. In allen Fällen wird deutlich, dass eine vermeintlich sichere Praxis von Heilkunde und Medizin sich zunächst vorrangig auf das Vergangene, auf Erfahrung, Empirie, Evidenz stützt und diese im Rahmen der Diagnose ins Verhältnis zur Gegenwart setzt. Das genaue Erkennen dessen, was der Fall ist, und ärztliches Problemlösen, Handeln und Rechtfertigen sind immer auf die Rückversicherung durch die Vergangenheit angewiesen.

So tief die Heilkunde und Medizin der jeweiligen Gegenwart als Praxis aber in der Vergangenheit verankert sein mag, so sehr ist sie auf Zukunft, im engeren Sinne auf zukünftige Gesundheit und Teilhabe – bis hin zur globalen – Gesundheit gerichtet. Während also Erfahrungswissen und Diagnostik medizinisches Entscheiden und Handeln rechtfertigen, geben Prognostik und Prävention im Sinne der Verhütung des Schlimmeren die auf Zukunft gerichteten Ziele vor.

In diesen historisch, historisch-epistemologisch und medizintheoretisch reichhaltigen Kontext ist die 40. Tagung des Interdisziplinären Arbeitskreises „Alte Medizin“, die gemeinsam von den DFG-Graduiertenkollegs „Frühe Konzepte von Mensch und Natur: Universalität, Spezifität und Tradierung“ und "Life Sciences – Life Writing: Grenzerfahrungen menschlichen Lebens zwischen biomedizinischer Erklärung und lebensweltlicher Erfahrung“ getragen wird, gestellt. Welche individuellen Handlungsebenen von Behandelnden und Patienten sind auf die Zukunft hin ausgerichtet? Welche übergeordneten Vorstellungen werden aus den historischen Quellen über die gestaltete Zukunft deutlich? Welche Anspielungen findet man in Texten aus dem Vorderen Orient, aus Ägypten, in Platos Politeia, den heilkundlichen Werken der griechisch-römischen und arabischen Heilkunde oder aber den einschlägigen Werken der Renaissance etwa von Morus, Bacon, Campanella – bis hin zu Konzepten der neueren und neuesten Medizingeschichte, die sich auf lange Traditionslinien berufen? Mit solchen und weitere Perspektiven soll Zeitlichkeit in der Heilkunde und Medizin zum Gegenstand des interdisziplinären Austausches gemacht werden.