39. Treffen des Interdisziplinären Arbeitskreises „Alte Medizin“

Das 39. Treffen des IAK Alte Medizin wird vom 15. bis 16. Juni stattfinden.

 

Ungesagtes und Unsagbares: Leerstellen und Ambiguitäten in der Heilkunde als epistemologische Herausforderung

 

Datum: 15. bis 16. Juni 2019
Ort: Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin
der Universität Mainz, Am Pulverturm 13, Untergeschoss (Hörsaal U1125))
Deadline: 31. Januar 2019
Veranstalter: Norbert W. Paul, Tanja Pommerening

 

Ziel medizinischer Handlungen ist es, die gesundheitliche Situation eines Patienten zu verbessern. Dabei steht aus Sicht des Patienten die Behebung seiner Leiden und die Ermöglichung der Teilhabe am Alltag die größte Rolle. Er repräsentiert Krankheit im Rahmen der Kommunikation mit dem Arzt durch sprachliche Beschreibungen von Symptomen und Einschränkungen. Dabei sind insbesondere subjektive, leibgebundene Erfahrungen kaum in Worte zu fassen so dass sie nur selten (angemessene) Relevanz entfalten. So wird der Patient häufig mit vorgegebenen, rationalen diagnostischen Kategorien des Arztes konfrontiert, die mitunter den Kategorisierungen des Patienten in keiner Weise entsprechen. Die Harmonisierung der Konzepte von Arzt und Patient wird in der Regel in den Gesprächen wenig hinterfragt.

Diese Problematik trifft umso mehr den Umgang mit historischen Quellen, seien es Texte oder Bilder. Auch sie kommunizieren mit uns, wenn wir sie als wissenschaftliche Objekte nutzen. Sie sind aber nicht zu diesen Zwecken überliefert und zudem nicht hinterfragbar. Zugrundliegende Konzepte lassen sich hier nur durch breite Kontextualisierungen ergründen. Dem Unsagbaren widmen sich inzwischen linguistische Theorien wie die konzeptuelle Metapherntheorie, Prototypensemantik oder Translationstheorien. Das Ungesagte bleibt eine Leerstelle.

Solche Leerstellen wurden in der Geschichte der Medizin gelegentlich auch als Projektionsflächen genutzt. Die immer noch stattfindenden Versuche retrospektiver Diagnostik zeigen dies beispielhaft. Hier werden gleiche Kategorisierungen und Konzepte vorausgesetzt und Leerstellen durch Narrative ausgefüllt. Dies ist kein modernes wissenschaftliches Phänomen, sondern ein grundsätzlich historisch-epistemologisches Problem, das sich durch die Wissenschaftsgeschichte zieht.

Unsere Tagung verfolgt das Ziel, vor allem eine methodologische Perspektive einzunehmen. Den modernen Mediziner fragen wir, wie er die kommunikative Brücke zwischen seinen Kategorien und denen des Patienten schlägt. Die historisch arbeitenden Disziplinen fragen wir, wie sie mit der Problematik des Ungesagten und aus Sicht der Quellen Unsagbaren umgehen. Zudem freuen wir uns über Beiträge, die sich wissenschaftshistorisch mit alten Lehrbüchern zur Geschichte der Medizin auseinandersetzen und beispielhaft demonstrieren, wie man Lücken durch Narrative aufgefüllt hat.

Herzlich willkommen sind 20-minütige Beiträge zum genannten Oberthema oder auch Panels von mehreren Vortragenden mit einer Gesamtredezeit von 90 Minuten. Neben dem Oberthema gibt es auch die Möglichkeit, weitere Vorträge (à 20 Minuten) aus dem Bereich der „Alten Medizin“ einzubinden.

Bitte senden Sie Vorschläge für Vorträge oder Panels bis zum 31.01.2019 an Alexander Ilin-Tomich: ailintom@uni-mainz.de. Bitte fügen Sie Ihrem Vortragsvorschlag ein Abstract von ca. 300 Wörtern bei, aus dem die Fragestellung und die zu erwartenden Ergebnisse Ihres Vortrags hervorgehen.

Call for Papers
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